Entstehung des Sniers Hus in Seppensen - GMV_Vereinshomepage

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Daten Fakten
Zur Entstehung des Sniers Hus in Seppensen

"Die  durch Prof. Eckstein von der Universität Hamburg vorgenommene dendrochronologische Datierung (Jahresringauszählung) ergab als genauen Bauzeitpunkt von Sniers Hus die Jahre 1695/96 (Einschlag des Bauholzes). Diese Bauzeit ist insofern etwas überraschend, als auf Grund gefügekundli-cher Überlegungen ein deutlich höheres Alter seitens der Hausforschung für dieses in der Literatur häufig angeführte Haus angenommen worden ist. Vor allem die frei im Flett stehenden »Luchtsäulen« (Abb. a) werden als sehr altertümliches Merkmal angesehen. Sicher ist, daß diese Bauweise ausschließlich im westlichen Teil des Landkreises Harburg bei Häusern des 17. Jahrhunderts mehrfach festgestellt worden ist. Da Beispiele erhaltener Luchtsäulen heute jedoch nicht mehr anzutreffen sind, ist der Wert von Sniers Hus umso höher anzusetzen. Eine weitere Beson-derheit des Baus ist in dem vollständig erhaltenen Original- Kammerfach zu sehen. Der Kammerteil (Wohnteil) der heute noch vorhandenen Bauernhäuser ist dagegen zumeist sehr stark umgebaut und läßt die ursprüngliche Aufteilung nicht mehr erkennen. Sniers Hus hat also eine große Bedeutung für die zunehmend in das Zentrum der wissenschaftlichen Betrachtung gerückten Wohnforschung. Entsprechend der altertümlichen Aufteilung des Kammerfaches ist auch die rückwärtige Giebelwand des Hauses (b) gestaltet. Ursprünglich war auch diese wie alle weiteren Wände des Hauses ausschließlich in Lehmfachwerk aufgeführt. Da sich jedoch im Originalzustand in Regesbostel nur noch inden oberen, durch den knaggenge-stützten Dachüberstand geschützten Gefa-chen Lehmtafeln vorfanden, während diese in den unteren Wandteilen bereits durch Zie-gel ersetzt waren, haben wir diese Gestaltung nachvollzogen. Dasselbe Prinzip wurde bei den Seitenwänden angewendet.


Wie die Abbildung der Traufseite (c) zeigt, ist das Fachwerk des Wohnteiles enger und mit Ziegelsteinen ausgemauert, wie es einer vor ca. 100 Jahren erfolgten Umbaumaß-nahme entspricht. Dagegen zeigen die niedrigeren Traufseiten des Dielenteils den Alt-Zustand mit »liegenden«, ursprünglich mit Lehm ausgefüllten Gefachen. Auch dieser Zustand wurde von uns auf beiden Seiten originalnahe übernommen.
Ganz neu dagegen mußte der Grootdör-Giebel (d) rekonstruiert werden, da er in Regesbostel bereits durch eine massive Mauersteinwand ersetzt worden war. Es bot sich daher an, den bereits früher vom Geschichtsverein sichergestellten Giebel des Cohrs Hus in Dibbersen samt Inschrift von 1654 sinnvoll einzufügen. Auch dieser mußte freilich rekonstruiert werden, da nur noch die beiden äußeren Kopfbänder im Originalzustand vorhanden waren. Dies war aber auf Grund alter Photos und unter Berücksichti-gung der Gefügespuren (Zapflöcher) möglich, wenn auch eine gewisse Verbreiterung des Giebelbalkens zur Anpassung an das Innengefüge erforderlich wurde. In seinem letzten Zustand war Sniers Hus praktisch eine Ruine, dennoch konnten etwa 80 % der originalen Bauhölzer wiederverwendet werden, wobei z.T. allerdings erheblicher handwerklicher Aufwand erforderlich war! Außer dem Großtürgiebel mußten sämtliche Schwellen und einige Dielenständer ersetzt werden. Bei näherer Betrachtung ist dies für den Besucher auf Grund der Holzbeschaffen-heit zu erkennen. Wir haben uns aber darum bemüht, selbst hier noch alte Hölzer einzu-bauen, um so wenigstens Reste der in jüngster Zeit leider abgerissenen Häuser (Röpers Hus in Seppensen und Borns Hus in Buchholz) leidlich sinnvoll zu bewahren.
Alte Einrichtungsgegenstände aus Regesbostel waren nicht mehr erreichbar. Die jetzt sichtbaren alten Türen der Feuerwand, die Schiebetür der Schlafbutze sowie der Bi-legger-Ofen stammen aus einem Haus in Undeloh und gehören dem 18. und 19. Jahr-hundert an. Die Feuerstelle entspricht in ihren Ausmaßen in etwa den Bodenfunden von Borns Hus. Das mit »Morgensternen« verzierte gewaltige Feuerrähm über dem Bodenherd ist nach Resten eines solchen in Otter originalgetreu nachgebaut. Die Sod- wippe am Brunnen neben dem Kammerfach stand bis 1985 in Kämpen, nahe dem inzwi-schen in Seppensen eingelagerten alten Backhaus, das einmal Sniers Hus ergänzen soll. Die schwere eichene Dielentreppe stammt aus einem Haus von 1774 in Hol-lenstedt. Es fehlen freilich noch viele Einrichtungsgegenstände, die zu einem Bauernbetrieb früherer Jahrhunderte gehörten. Um Spenden von möglichst originalen, gebrauchten, auch nicht unbedingt wertvollen und »schönen« Gegenständen wird daher herzlich gebeten!
Literatur, in der das Sniers Hus erwähnt wird:
1. P.Albers, Das Flett mit seinen Säulen auf den Heidehöfen im Landkreis Harburg (Harburger Jb. 1940/41), S.163f. –
2. G.Eitzen, Alte Hausgefüge im nord-östlichen Niedersachsen, 1950/51. S.182ff. (mit Zeichnungen) –
3. K.Bedai, Ländl. Ständerbauten des 15. bis 17. Jahrhunderts in Holstein und im südlichen Schleswig, Neumü-nster 1977. S.84 u. 109 –
4. C.J.Johannsen, Das niederdeutsche Hallenhaus und seine Nebengebäude 1979. Abb. 15 –
5. U.Klages, Ständer, Rähme. Balken (Der Holznagel. H.3/1983) u.a. S. 19.


Das Geheimnis der Grotdör-Inschrift      von 1654:
Der Erbauer des Dibberser Hauses,
Hinrich Rabeler, läßt sich urkundlich gut nachweisen - so hier in einem Vorwirteregister von 1688, wo er als herrschaftlicher Mann und Halb-höfner bezeichnet wird. Möglicher-weise war er nur Interimswirt, denn nach ihm und vor ihm besitzt ein Hans Peters den Hof. Wer aber ist der so seltsam in die Inschrift einge-fügte Clawes Hetman (= Klaus Heitmann)? Ein Halbhöfner dieses Namens läßt sich um 1650 nur in Emsen nachweisen. Irgendwas muß er aber wohl mit dem Bau des Hauses in Dibbersen zu tun gehabt haben!

Kostenaufstellung
Gesamtkosten (inkl. Ankauf. Abbau. Transport von Sniers Hus. Beschaffung von Ersatzhölzern. Herrichtung der Gesamtanlage. Toilettenanbau am Museum und Brunnenan-lage) DM 460.000.
Davon entfielen auf:
• Aufbaufonds Hamburg- Niedersachsen: 200.000 DM
• Stadt Buchholz: 120.000 DM
• Ortsrat Holm-Seppensen: 100.000DM (Anteil an Gesamtkosten und Brunnenan-lage).
• Landkreis Harburg: 40.000 DM
Bauherr: Stadt Buchholz
Architekt: Hans Fischer
Arbeitskreis des Geschichtsvereins:
Lorenz Thomsen, Dr. Ulrich Klages, Joachim Schleif, Uwe Derboven, Gerhard Kegel

Ausführende Handwerker:
• Bodo Vogel (Fachwerkrekonstruktion).
• Werner Erbts (Fachwerkausmauerung. Bilegger- Aufbau).
• Matthias Lührs (Fundamente, Fußböden. Pflaster. Ziehbrunnen. Toilettenanbau).
• Rudolf Grube (Reetdach).
• Gerhard Heitmann (Dachlattung).
• Georg Wiese (Innenausbau, Ziehbrunnen-ausbau),
• Gerhard Riebesell (Fenster u.Türen).
• Hans-Jürgen Albers (Bestuhlung u. Butze).
• Arnold Kahnenblev (schmiedeeiserne Be-schläge)
• Horst Binoit’ (Malerarbeiten).
• Peter Niemann (Elektroarbeiten)."
Quelle: Dr. Ulrich Klages (1938 - 2007),
verfasst etwa 1983
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